Kopfhörer-Verstärker – wozu das denn?
Wer heute als Autofahrer eine Reifenpanne hat, der stellt dann vielleicht mit Erstaunen fest, das gar kein vollwertiges Ersatzrad, sondern nur ein Notrad oder schlimmer noch, nur ein Reparaturset an Bord ist.
Ganz ähnlich ist das bei Voll-Verstärkern und bei anderen Hifi-Geräten mit üblichen Kopfhörerausgängen. Das sind in aller Regel nur halbherzige Notlösungen. Wer’s genau wissen will, lese bitte den Abschnitt “Expertenwissen” am Ende.
Um dem abzuhelfen, gibt’s mittlerweile diverse separate Gerätchen, an denen man seinen wertvollen und durchaus zu Höchstleistungen fähigen Kopfhörer betreiben kann. In vielen Fällen hat das den weiteren Vorteil, den Strom zehrenden Verstärker gar nicht einschalten zu müssen, wenn man nur Kopfhörer hören möchte. Wer heute die Stromverbräuche im Standby betrachtet, wird das sicher begrüßen, denn der Stromverbrauch im Betrieb von gerade mal 2 Watt (am Beispiel Head Box II von Pro-Ject) kann sich sehen lassen und der ansonsten zum Kopfhörerbetrieb notwendige Vollverstärker verbraucht ein Vielfaches.
Weiterhin haben Kopfhörerverstärker einen eigenen Lautstärkeregler, somit wird man von dem Hauptverstärker unabhängig. Schwerhörige können damit auch den Fernsehton aufwerten ohne die Umwelt zu belästigen. Es gibt sogar Geräte mit 2 Kopfhöreranschlüssen (Head Box SE II von Pro-Ject) und den dazugehörigen Lautstärkereglern, damit 2 Leute gleichzeitig bei individueller Wunschlautstärke hören können.
Wir haben die preiswerten Geräte von Pro-Ject (da beginnt der Spaß bei 100,00 EUR) im Laden oder den Mercedes vom Kopfhörerspezialisten Beyer-Dynamic. Übrigens findet die Fertigung dieser Geräte in Deutschland bzw. Europa statt.
Expertenwissen: In einem Standard-Vollverstärker wird der Kopfhörer über Schutz-(Angst)-Widerstände an den ohnehin vorhandenen Leistungsverstärkerteil angeschlossen und damit wird die Qualität der Wiedergabe schon schlechter. Gemeinhin ist auch der Fremdspannungsabstand einer solchen Anordnung deutlich schlechter als der eines für die hochohmigen Lasten eines Kopfhörers konstruierten Verstärkers.
Zwar gibt es solche “Spezialverstärker” in vielen CD-Spielern und früher natürlich auch in jedem Cassettendeck, aber wer da mal seinen Kopfhörer anschließt und hört, was solche Teile leisten, wird schnell wieder den Stecker ziehen. Klar, hier wird der Rotstift schon in der Planung angesetzt, und entsprechend ist das Ergebnis. In einigen raren Vorverstärkern gab’s (oder gibt’s vielleicht heute noch) einen ordentlichen Kopfhörerausgang, aber separat regelbar ist der auch nicht.
Die Lösung ist tatsächlich ein separater, speziell für die eher hochohmigen und wenig Strom zehrenden Impedanzen eines Kopfhörers entwickelter Verstärker. Der ist in der Lage auch ganz kleine Pegel ohne Rauschen zu übertragen und wenn’s mal richtig laut sein soll, geht das verzerrungsfrei bis an die Schmerzgrenze.

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